Auszeichnung für herausragenden Informatik-Nachwuchs an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften
Tim Jensen (Mitte) bei der Verleihung des FBTI-Informatikpreises 2026 mit Prof. Dr. Thomas Barton (links), Vorsitzender des FBTI, und Prof. Dr. Karsten Weicker (rechts), Vorstandsbeauftragter für Prämierungen. Foto: Mike Auerbach / GI e.V.
Drei herausragende Arbeiten: FBTI-Vorsitzender Prof. Dr. Thomas Barton von der Hochschule Worms übergibt die Informatikpreise 2026
Dresden – Die Informatik prägt heute nahezu alle Bereiche von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Entsprechend vielfältig sind die Themen, mit denen sich Informatikerinnen und Informatiker an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften beschäftigen. Von sicherheitskritischer Software im Automobilbereich über moderne drahtlose Kommunikation und präzise Ortung bis hin zur computergestützten Simulation komplexer gesellschaftlicher Prozesse reicht das Spektrum der drei Arbeiten, die der Fachbereichstag Informatik (FBTI) 2026 ausgezeichnet hat.
Im Rahmen des Informatik-Festivals INFORMATIK 2026 in Dresden wurden am 24. September die FBTI-Informatikpreise in den Kategorien Bachelorarbeit, Masterarbeit und Dissertation verliehen. Ausgezeichnet wurden Tim Jensen von der Technischen Hochschule Mannheim, Leon Schex von der TH Köln und Dr. Simon Rahn von der Hochschule München.
Mit den Preisen würdigt der FBTI herausragende wissenschaftliche Leistungen des Informatik-Nachwuchses an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Neben der wissenschaftlichen Qualität spielen auch die gesellschaftliche Bedeutung und die Relevanz für zukünftige Anwendungen eine wichtige Rolle.
Bachelorarbeit: Echtzeit-Scheduler in Rust
Tim Jensen von der Technischen Hochschule Mannheim erhielt den Preis für die beste Bachelorarbeit. Seine Arbeit beschäftigt sich mit einem OSEK-kompatiblen Echtzeit-Scheduler in Rust und damit mit einer Fragestellung, die insbesondere für sicherheitskritische eingebettete Systeme und die Automobilindustrie von Bedeutung ist.
Masterarbeit: Präzise Ortung mit Bluetooth 6.0
Leon Nicolas Schex, TH Köln, wurde für seine Masterarbeit „Using Bluetooth 6.0 Channel Sounding and Periodic Advertising for High Accuracy and Scalability“ ausgezeichnet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die mit Bluetooth 6.0 Channel Sounding mögliche hochpräzise Entfernungsmessung auch für Anwendungen mit vielen Geräten energieeffizient und skalierbar einsetzen lässt.
Dissertation: Modellierung und Simulation der Ausbreitung von SARS-CoV-2
Dr. Simon Rahn, Hochschule München, erhielt den Preis für seine Dissertation zur Modellierung und Simulation der Ausbreitung von SARS-CoV-2 in dynamischen Menschenmengen. Seine Arbeit verbindet Informatik, Simulation und Modellierung mit einer gesellschaftlich relevanten Fragestellung und zeigt damit exemplarisch das Potenzial der Informatik für interdisziplinäre Anwendungen.
Die drei Arbeiten verdeutlichen damit eine zentrale Eigenschaft der angewandten Informatik: Sie entwickelt nicht nur neue technische Verfahren, sondern überträgt wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anwendungsfelder.
Der FBTI als Stimme der Informatik an HAW
Die Prämierung ist Teil der Arbeit des Fachbereichstags Informatik (FBTI). Der FBTI ist die bundesweite Interessenvertretung der Informatik-Fachbereiche und -Fakultäten an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Er bündelt die Interessen der Mitgliedshochschulen und setzt sich für die Weiterentwicklung der Informatikausbildung, die Stärkung der Forschung sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein.
Dabei geht es um weit mehr als die Vertretung gemeinsamer Interessen. Der FBTI versteht sich auch als Plattform für den fachlichen Austausch und als Ansprechpartner bei Fragen, die die Informatik an HAW insgesamt betreffen. Dazu gehören beispielsweise die Weiterentwicklung von Studiengängen, Anforderungen an die Informatikausbildung, Forschung und Transfer sowie die Positionierung der Informatik im Hochschulsystem.
Prof. Dr. Thomas Barton, Vorsitzender des FBTI, sieht in der Prämierung deshalb zugleich eine Möglichkeit, die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Informatik an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sichtbar zu machen. Die ausgezeichneten Arbeiten stehen stellvertretend für eine Forschung, die wissenschaftliche Qualität mit konkreten Anwendungen verbindet.
Gerade diese Verbindung ist ein besonderes Merkmal der Informatik an HAW. Forschung entsteht häufig in engem Austausch mit Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Die Ergebnisse können dadurch vergleichsweise unmittelbar in technische Entwicklungen, Produkte, Prozesse und Dienstleistungen einfließen.
Informatik zwischen Forschung, Anwendung und Transfer
Die drei Preisträger des Jahres 2026 illustrieren diese Bandbreite besonders anschaulich. Automotive und sicherheitskritische Software, Bluetooth 6.0 und präzise drahtlose Lokalisierung sowie Simulation und Gesundheitsanwendungen stehen beispielhaft für die zahlreichen Bereiche, in denen Informatik heute Lösungen entwickelt.
Für den FBTI-Vorsitzenden Prof. Dr. Thomas Barton ist diese Verbindung von Forschung, Anwendung und Transfer ein wesentlicher Bestandteil der Informatik an HAW. Die Fachbereiche leisten einen wichtigen Beitrag dazu, neue Technologien nicht nur wissenschaftlich zu untersuchen, sondern ihre Einsatzmöglichkeiten in Wirtschaft und Gesellschaft zu erschließen.
Die FBTI-Informatikpreise schaffen hierfür eine besondere Öffentlichkeit. Sie würdigen herausragende individuelle Leistungen und machen gleichzeitig sichtbar, welche Themen und welches wissenschaftliche Potenzial an den Informatik-Fachbereichen der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften vorhanden sind.
Mit Tim Jensen, Leon Schex und Dr. Simon Rahn wurden 2026 drei Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet, deren Arbeiten unterschiedliche Perspektiven der modernen Informatik repräsentieren. Ihre Auszeichnungen stehen damit zugleich für die Vielfalt, Innovationskraft und Anwendungsorientierung der Informatik an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften.
Der FBTI setzt mit der Prämierung ein sichtbares Zeichen für diese Leistungen – und für die Bedeutung einer starken, forschungsorientierten und anwendungsnahen Informatik an den HAW.