Fachhochschule Worms verstärkt den Ausbau dualer Studiengänge

Wirtschaft und Hochschulen ziehen an einem Strang
Die Regionalkonferenz zum dualen Studium, eine gemeinsame Veranstaltung mit der IHK Rheinhessen, die am 30.06.2010 an der Fachhochschule Worms stattfand, bringt Wirtschaft und Hochschule erfolgreich zusammen. Das ausgewiesene Ziel der Veranstaltung war, Wege zu finden dem demografischen Wandel durch realitätsorientierte Ausbildungsbedingungen zu begegnen und diese entsprechend weiter zu entwickeln.

Schon in ihrer Begrüßung wies Andrea Wensch, Geschäftsführerin der IHK für Rheinhessen, darauf hin, dass Wirtschaft und Wissenschaft, geleitet durch das gemeinsame Interesse an der Ausbildung junger Menschen, untrennbar zusammengehören. Dem bereits bestehenden und weiterhin als steigend prognostizierten Mangel an Fachkräften müsse aktiv entgegengewirkt werden, so Wensch. Anliegen der Veranstaltung sei, den Bedarf der Wirtschaft auszuloten und wirksame Umsetzungsmöglichkeiten für die Fachhochschule Worms auszuweisen.
   Der Präsident der Fachhochschule Worms, Professor Hermsdorf, schloss sich den Ausführungen seiner Vorrednerin an und führte diese weiter aus. Das gemeinsam definierte Ziel sei die gegenseitige Befruchtung von Wirtschaft und Hochschule. Den Studierenden müssten ein guter Start ins Berufsleben und Perspektiven für eine berufliche Entwicklung in der Region geboten werden, solle diese lebendig, attraktiv und zukunftsfähig bleiben. In der gemeinsamen Entwicklung von Konzepten sieht Hermsdorf die Chance, sich den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich und innovativ zu stellen.

Win-Win-Lösungen
Der Vortrag des Geschäftsführers der dualen Hochschule Rheinland Pfalz (DHR) Professor Falk gab einen umfassenden Einblick in die allgemeine Entwicklung des dualen Hochschulmodells.‚Dual’ meint hier in erster Linie ausbildungsintegrierende Studiengänge, d.h. die Kombination von Ausbildungsberuf und Studium.
   Duale Studiengänge stellen somit eine Alternative zum klassischen Studium und zur traditionellen Berufsausbildung dar. Die Vorteile dieser Ausbildungsform machen sie zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten: Das duale Studium ermöglicht ein niedriges Berufseinstiegsalter, den direkten Übergang in den Betrieb und die Vermeidung von Arbeitslosigkeit, da nur ausgebildet wird, wenn eine Übernahme gewährleistet werden kann. Außerdem fördert die Ausbildungsvergütung die Unabhängigkeit junger Menschen in der Ausbildungsphase oder macht überhaupt erst die Finanzierung eines Hochschulstudiums möglich. Bereits während des Studiums sammeln die Studierenden Berufserfahrung und weisen gleichzeitig nach Ende der Ausbildung einen weltweit anerkannten Hochschulabschluss vor.
   Vorteile für Firmen und Unternehmen sind in der Personalentwicklung zu finden. Für sie kann durch das Kombinationsmodell gut ausgebildetes und motiviertes Personal gewonnen und gesichert werden. Die Abbruchquote im dualen Studium ist gering bzw. fällt statistisch messbar so gut wie gar nicht ins Gewicht.
   Das Modell der dualen Hochschule in Rheinland-Pfalz wird bewusst offen gehalten, um der Vielzahl von Erfordernissen in den je unterschiedlichen Studiengängen erfolgreich begegnen zu können.

Internationalität und Unabhängigkeit
Professor Strobel als Koordinator der dualen Studiengänge an der Fachhochschule Worms stellte in seinem Vortrag das duale Hochschulstudium nach dem Wormser Modell vor. Das bereits seit 1997 erfolgreich praktizierte Modell zeigt, dass hier der richtige Weg eingeschlagen wurde. Dabei betonte Strobel den Auf- und Ausbau des dualen Studiums als eine vorrangige Aufgabe der praxisorientierten Ausbildungsausrichtungen der Fachhochschulen. Die Motivation der Fachhochschule Worms, ein duales Studium vor Ort zu haben, sei klar auch mit der Branchenfokussierung der Hochschule begründet. Einen weiteren Vorteil stelle die hohe Internationalität der Fachhochschule Worms dar. Auch die konjunkturelle Unabhängigkeit in der Durchführung habe sich als erfolgreich herausgestellt. Nach dem Wormser Modell kann ein Betrieb jederzeit eine unterschiedlich hohe Zahl von Studierenden für das duale Studium entsenden, ohne eine Mindestquote erfüllen zu müssen. Ziel ist dabei, so flexibel wie möglich reagieren zu können.

Regionale Verbundenheit
Abschließend wurde in zwei Workshops mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Technik der konstruktive Dialog zwischen Professoren und Firmenvertretern ermöglicht. Deutlich wurde, dass kreative und flexible Ausbildungsmöglichkeiten bei den Firmen offene Türen finden und nur durch die gemeinsame Erarbeitung des tatsächlichen Bedarfs die jeweiligen Studieninhalte an die regionalen Bedingungen angepasst werden können. Gerade für Fachhochschulen wie Worms, deren regionale Verbundenheit ein wichtiges Merkmal ist, erweist sich der gemeinsame Weg mit der regionalen Wirtschaft als eine ideale Möglichkeit, die Ausbildung zeitgemäß zu gestalten, den Bedarf an hoch qualifizierten Mitarbeitern zu sichern und für den Nachwuchs berufliche Perspektiven zu schaffen.

Anschließend bestand die Gelegenheit, bei einem Imbiss auf dem Campus der Fachhochschule persönlich miteinander in Gespräch zu kommen, was von den Teilnehmerinnen ausgiebig genutzt wurde. In Zukunft wird sicher mit großem Interesse verfolgt werden, wie sich der Aufbau neuer dualer Studiengänge an der Fachhochschule tatsächlich gestalten lässt. Der erfolgreiche Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wird im Rahmen weiterer Regionalkonferenzen ausgebaut werden. Die gute und trotz hochsommerlicher Temperaturen äußerst lebhafte Resonanz der Gäste zeigte, dass es unerlässlich ist, sich immer wieder Zeit für gemeinsame Gespräche und Austausch zu nehmen.
 
dhd-fhworms